Neue Bürgerrechte für die Juden

1807, zu Beginn der Regierungszeit Jérômes, lebten ca. 15.000 Juden im Königreich Westphalen, 1812 fast 20.000.
Allerdings hatten sie bis dahin weniger Rechte im Gegensatz zu den anderen Bürgern, die z.B. katholisch oder protestantisch waren. Sie durften sich ihren Beruf nicht frei auswählen und mussten durch bestimmte Steuern einen Schutzbrief kaufen, der ihnen erlaubte, für gewisse Zeit an einem Ort zu wohnen.
Ohne diesen Schutzbrief mussten sie z.B. als Dienstboten arbeiten.
Napoleon hatte schon vor 1807 die Idee, die Juden den anderen Menschen gleichzustellen und erließ deshalb neue Gesetze.
Dafür mussten die Juden sich aber den anderen Bürgern stärker anpassen, z.B. mussten sie feste Familiennamen annehmen.
Napoleon ließ eine Verfassung für das Königreich Westphalen ausarbeiten und setzte seinen jüngsten Bruder Jérôme als König ein.
Ein Teil dieser Verfassung stellte alle Einwohner des Königreiches vor Gericht gleich und ließ ihnen die Wahl ihrer Religion frei. Dies galt also auch für die jüdischen Bürger.
Das Königreich Westphalen wurde der erste Staat Europas, der die Gleichstellung der Juden so konsequent einführte.
Am 27.01.1808 wurde ein Emanzipationsdekret, eine Verfügung von König Jérôme, veröffentlicht. Mit ihm wollte er die neuen Rechte der Juden sicherstellen.
Er ordnete die Abschaffung des Schutzbriefes und aller Sondersteuern für die jüdischen Bürger an. Außerdem durften sie nun wohnen und arbeiten, wie und wo sie wollten.
Es wurde ein Konsistorium aus sieben jüdischen Persönlichkeiten berufen, das sich um die Einhaltung der neuen Gesetze kümmerte und vom König unterstützt wurde.
Im Februar 1808 kamen die Vorsteher der 20 jüdischen Gemeinden des Königreichs Westphalen nach Kassel und Jérôme empfing sie ehrenvoll. Zusammen wurde ein Gottesdienst in der Kasseler Synagoge gefeiert.
1810 wurde dann die erste jüdische Schule in Kassel eröffnet und die Schulpflicht für jüdische Kinder eingeführt, außerdem wurden die jüdischen Ehen rechtlich anerkannt.
Mit dem Ende des Königreichs Westphalen löste sich die Regierung und so auch das Konsistorium auf. Auch die jüdische Schule in Kassel wurde geschlossen.
Nach der Flucht Jérômes führte der zurückgekehrte Kurfürst wieder die alten Regelungen von vor 1807 ein und es dauerte noch lange, bis die Juden wirklich die gleichen Rechte bekamen wie alle anderen.

König Lustik hat also einen großen Beitrag zur Emanzipation der Juden geleistet.
Dabei ist es doch eigentlich eine Vorraussetzung, dass jeder, egal welcher Religion, gleich angesehen wird!